Kameraarbeiten

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben

Dokusoap
7x 25 Min.
SAT1
1999

Team

Regie:
Regieassistenz:
Kamera:

Kameraassistenz:
Ton:
Script:
Aufnahmeleitung:
Kameraequipment:
Technische Leitung:
Schnitt:

Herstellungsleitung:
Produzentin:
Produktion:
Redaktion SAT1:
Susanne Abel
Nicole Maisch
Erik Sick
Barthold Stromeyer
Franz Lindinger
Daniel Hallmann
Birgit Junker
André Helfers
Scopitone Film
Erik Sick
Ingo Ehrlich
Britta Strathmann
Ingrid von Pochhammer
Giesela Marx
Filmpool Köln
Stephanie Prehn
H.v.d. Oste

Dreharbeiten:
Sept. 1999 – Jan. 2000 in NRW und Thailand

Sendetermin:
wöchentlich ab 12.03.2000 um 22.15 Uhr, SAT1

Zitierter Artikel aus DIE ZEIT 12/2000 Schokoseite

Sat.1, sonntags: "Neue Liebe" von Barbara Sichtermann

Das wirkliche Leben drängt mit Macht ins Fernsehen, aber vielleicht sind es auch nur die Fernsehmacher, die das Leben mit der Kamera verfolgen. Das ist ihr Recht, vielleicht ihre Pflicht. Jedenfalls etablieren sich so neue Reportageformen, bei denen die altmodische Distanz zwischen dargestelltem Objekt und gestaltendem Subjekt immer kleiner wird. Denn das wirkliche Leben gewöhnt sich an das Auge der Kamera und zwinkert ihm zu. Und die Kamera zwinkert zurück.

Susanne Abel hat schon mit ihrer Doku-Soap Fahrschule die stille Neutralität der Beobachtung durch den subversiven Humor der Perspektive gebrochen; diese Art von Unterhaltung kam an. Jetzt umkreist die Filmemacherin eine intimere Zone: Bei Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben geht es um frustrierte Singles, die für Kontaktanzeigen ihre "Schokoladenseite" präsentieren, Exotinnenkataloge wälzen und sich fürs Blind Date stylen. Und wieder geht eine indiskrete Kamera mit, die den richtigen Moment mit sicherem Instinkt abpasst.

Da sind Toni, der auf Clubfesten singt, und Leyla, die Visagistin. Am Telefon hat's schon gefunkt, an der Bar aber lässt sie ihn alleine bechern. Udo möchte eine Thailänderin, weil die im Alter nicht dick wird, und für so eine macht Udo sogar einen Schnellkurs in der Landessprache. Die 50plus Generation kommt auch vor. "Bisschen unromantisch" finden Gertrud und ihr "Stier" den Prüftermin im Café, und dann gestehen sie einander freimütig, dass ihnen ganz etwas anderes vorgeschwebt hat. Sich näher kommen heißt auch, sich besser treffen, und man fragt sich bange, warum bloß diese gelernten Singles sich freiwillig der Gnade ihrer Unabhängigkeit begeben.

Während in den üblichen Partnersuch und Herz Schmerz Shows stets der eherne Grundsatz gilt, dass der Topf gedeckelt sein will und die Liebe hinter der Showtreppe lauert, steht bei Abels Doku Soap die gegensätzliche Devise im Raum: Wenn man sich findet, ist es ein Wunder; die Menschen sind Monstren, und sie können froh sein, wenn sie mit sich selbst auskommen. Der Partnerwunsch erscheint geradezu als Anmaßung, und da er so tiefernst auch wieder nicht vorgetragen wird, entsteht ein Raum für Spiel und Spott, in dem die Filmemacherin ihre real-life-Stars trotz der amourösen Reinfälle von ihrer Schokoladenseite zeigt. Die Indiskretion dieser Kamera ist süchtig nach dem Individuellen und deshalb mehr Doku als Soap.

Die Furcht, geschürt derzeit auch durch Big Brother, das Öffentliche könne ins Private einbrechen und es zerstören, ist unbegründet. Andersrum: Das Private strömt in die Öffentlichkeit. Es zerstört sie nicht, aber es banalisiert sie.

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